Teekultur in der Türkei
Dienstag, den 30. September 2008Blick über den Tassenrand – in unserer Serie „Teekultour“ stellen wir euch Teezeremonien und -geschichten rund um den Globus vor. Dies mal haben wir den Türken in den Semaver geschaut, in dem der türkische Çhay (gesprochen tschai) zubereitet wird.

Türkei
Der Geschichte nach, hat der Tee durch Händler über die Seidenstraße seinen Einzug in der Türkei gehalten. Dort versuchte man 1888 dann erstmal selber Tee in der damaligen Hauptstadt Bursa anzubauen. Allerding nur mit einmaligem Erfolg, da der Tee keine Früchte trug. Erst eine Expedition in das benachbarte Georgien brachte die Lösung: Dort baute Russland überaus erfolgreich Tee an - in einem Klima, das der türkischen Schwarzmeerküste ähnelte. Nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches und dem Türkischen Befreiungskrieg 1924 wurde schließlich ein Gesetz zum Anbau von Tee erlassen, das den Grundstock für den Teeanbau in Rize legte.
Doppelt hält besser.
Heute ist schwarzer Tee das Nationalgetränk der Türken, und wird rund um die Uhr zu jeder Tages- und Mahlzeit serviert. Die Zubereitung des türkischen Tees erfolgt nach dem Samowar-Prinzip, also in zwei Kannen - Semaver genannt. In die kleinere Kanne kommt der türkische Tee - ein Löffel pro Glas und einer für die Kanne – der anschließend mit lauwarmen Wasser abgespült wird. Die größere Kanne wird mit Wasser aufgefüllt und erst dann stellt man beide Kannen aufeinander. Nun erhitzt die untere Kanne bei mittlerer Hitze bis das Wasser kocht. Nach 15 bis 20 Minuten ist der Tee durchgezogen und kann aus der oberen Kann in die Gläser geschenkt werden. Dazu wird ein Sieb verwendet, so dass der Teesatz nicht mit in die Gläser gelangt. Für alle, die das ganze einmal live und in Farbe sehen wollen – wir haben ein schönes YouTube-Video zur Zubereitung des türkischen Çhay gefunden.
No milk today…
Und wer sich fragt, warum im türkischen Küchenschrank keine Teetassen zu finden sind: Durch die kleinen, tulpenförmigen Teegläser kommt das Aroma optimal zur Geltung und der Tee bleibt länger warm. Zwei Zuckerwürfel oder -löffel dazu, und das Glas reicht für gut fünf Aufgüsse. Milch ist hingegen verpönt, da sie den Geschmack des Tees „verfälscht“. Beliebte Beilagen zum Çhay: frischer Trockenkuchen, Gebäck oder gefüllter Blätterteig mit Schafskäse, Hackfleisch oder Ähnlichem. Andi

