Archiv des Tags ‘Teekultur’

Chinesische Teekultur

Donnerstag, den 26. Februar 2009

Chinesische Teekultur

China

 

Nachdem wir auf unserer letzten Teekultour Japan vorgestellt haben, gehen wir dieses Mal noch einen Schritt zurück und stellen euch die älteste Teekultur der Welt vor: die chinesische. Bereits seit über 2000 Jahren prägt sie die Generationen – und wurde schließlich von Japan übernommen und verfeinert.

Doch die Geschichte des Landes ging an der Tradition des Teetrinkens nicht spurlos vorüber: Nach der massiven Unterdrückung der öffentlichen Teekultur während der Kulturrevolution und der Schließung vieler Teehäuser ist sie heute nur noch im Süden und Westen Chinas und auf Taiwan wirklich verbreitet. Das Teetrinken hat sich jedoch bis heute unverändert in den Familien erhalten, wobei die meisten Chinesen ausschließlich ungesüßten grünen Tee trinken.

Die drei Schulen der Teekunst

China ist das Mutterland des Teeanbaus und erhob bereits im Jahr 221 v. Chr. eine Teesteuer. Zwar wurde die chinesische Teezeremonie nie so stark verfeinert wie in Japan, dafür ist sie stärker in der gesamten Bevölkerung verwurzelt. Unterschieden werden drei historische Schulen der Teekunst: In der Tang-Phase wurde der Tee zusammen mit dem Wasser aufgekocht, bis das Wasser die richtige Färbung annahm. Da diesem Tee eine Prise Salz zugefügt wurde, heißt diese Methode auch „Schule des gesalzenen Pulvertees“. Während der Song-Dynastie wurde die Teekunst verfeinert, das Teepulver nun mit heißem Wasser aufgegossen und mit einem Bambusbesen schaumig geschlagen – daraus entstand die „Schule der geschäumten Jade“. Die Kunst der Teemeister bestand darin, dass der Schaum so lange wie möglich erhalten blieb. In der Ming-Phase wurden dann ganze Teeblätter (Oolong-Tee) verwendet und die Zeremonie Gong Fu Cha oder Kung Fu Cha entstand. Sie heißt auch die „Schule des duftenden Blattes“.

Die „Schule des duftenden Blattes“

Für die heutige Teezeremonie Gong Fu Cha reinigt der Teemeister zunächst die Teeschalen und die Kanne mit heißem Wasser. Dann werden die Teeblätter in die Kanne gegeben und mit heißem Wasser übergossen. Dieser erste Aufguss öffnet die Blätter und mildert die Bitterkeit der späteren Aufgüsse – er wird sofort in die Schälchen abgegossen und nicht getrunken. Er heißt „Aufguss des guten Geruchs”. Der Meister füllt das Kännchen ein zweites mal mit Wasser, lässt den Tee etwa 10 bis 30 Sekunden ziehen und gießt den Aufguss dann schichtweise in die Teeschalen. So erhält jeder Gast die gleiche Aufgussqualität. Daher der Name „Aufguss des guten Geschmacks”. Diese Aufgüsse werden mit demselben Tee mehrfach wiederholt, bei sehr guter Teequalität bis zu 15 Mal. Dabei lässt man den Tee jeweils zehn Sekunden länger ziehen als zuvor. Jeder Aufguss schmeckt anders. Da die Teeblätter dabei unmittelbar nach einem Aufguss nicht weiter wirken sollen, wird der Tee meistens in eine zweite Kanne gegossen und aus dieser eingeschenkt. In einer verfeinerten Variante wird er sogar zunächst in Duftbecher gegossen und von diesen in die Trinkschalen.

Doch auch wer kein Teemeister ist – in China serviert jeder seinen Gästen Tee als Zeichen der Wertschätzung. Diese Geste existiert bis heute auch noch innerhalb der Familien. Die jüngere Generation bietet der älteren Tee an, um ihre Ehrerbietung zu zeigen. Die Fähigkeit, guten Tee zuzubereiten, war früher auch ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl künftiger Schwiegertöchter.

Japanische Teekultur

Sonntag, den 23. November 2008

Teekultour Teil3: Japan

Japan

 

Blick über den Tassenrand – in unserer Serie „Teekultour“ stellen wir euch Teezeremonien und -geschichten rund um den Globus vor. Dieses Mal geht es in das Land mit der wohl faszinierendsten Teezeremonie: Japan.

Auch als „Teeweg“ oder „Teeritual“ bekannt, werden die Gäste auf ihrem „Weg“ von der Ankunft im Garten des Einladenden bis zum Verlassen des Teehauses begleitet - eine Zeremonie, die mehrere Stunden dauern kann! Die traditionelle Teezeremonie folgt einer Reihe festgelegter Regeln, in deren Rahmen die Gäste leichte Speisen und Grünen Tee gereicht bekommen. Um dem Gast dabei die Möglichkeit zur „inneren Einkehr“ zu bieten, sind japanische Teehäuser bewusst schlicht eingerichteten.

Auf Einladung des Gastgebers finden sich die Gäste im Garten des Teehauses ein. Dort nehmen sie zunächst im Warteraum (Machiai), oft ein offener Pavillon, Platz und werden vom Gastgeber mit einem leichten Tee begrüßt. Während sich die Gäste im Machiai platzieren und die vom Teemeister sorgfältig ausgesuchten Teeschalen, Geräte und Kunstgegenstände betrachten, füllt der Hausherr frisches Wasser in ein steinernes Wasserbassin und legt eine Schöpfkelle bereit. Anschließend wäscht er sich Mund und Hände und bittet seine Gäste, es ihm gleich zu tun – eine rituelle Geste der Reinigung. Erst danach wird das Teehaus betreten. Der Weg vom Garten bis in das Teehaus symbolisiert „die erste Stufe der Erleuchtung“ – der Alltag wird abgestreift, ebenso wie alle gesellschaftlichen Unterschiede. In mehreren Gängen werden jetzt leichte Speisen, Suppen und Reiswein (Sake) gereicht. Danach gehen die Gäste noch einmal zurück in den Warteraum, bis sie nach fünfmaligem Ertönen eines Gongs in den Teeraum gebeten werden. Sobald alle eingetreten sind, schließt der letzte Gast die Tür mit einem leichten Geräusch, dies ist das Zeichen für den Teemeister bzw. den Gastgeber, mit seinen Vorbereitungen zu beginnen. Dazu benötigt er Teeschalen, eine Teedose für den Pulvertee, ein Frischwassergefäß, einen Wasserkessel, einen Bambuslöffel und einen Teebesen zum Aufschäumen des Matcha-Tees. An seinem Gürtel, dem „Obi“, trägt der Teemeister ein seidenes Teetuch, das „Fukusa“ genannt wird.
Teezeremonie

Fotoquelle: wikipedia.org. Das Foto wurde unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation veröffentlicht.

Nun beginnt die eigentliche Teezeremonie, die ebenfalls genauen Regeln darüber folgt, wie die einzelnen Utensilien zu platzieren sind, welche Handgriffe getätigt werden und wie der Tee zuzubereiten ist. Den Anfang macht der aus feinstem grünen Teepuder hergestellten Matcha-Tee, den in einer Teeschale mit Hilfe des Teebesens und nach Aufgießen mit heißem Wasser schaumig geschlagen wird. Der erste, dickflüssige Aufguss wird in der Teeschale herumgereicht, jeder Gast nimmt einige Schlucke. Während dieses Rituals herrscht meistens Schweigen, das anschließend gebrochen wird, um sich über die verwendete Teesorte und deren typischerweise poetischen Namen zu erkundigen, sowie die verwendeten Utensilien zu bestaunen. Ein weiterer, dünnerer Aufguss des pulverisierten Grünen Tees wird in Portionsschalen gereicht.

Jedes Detail der japanischen Teezeremonie hat eine besondere Bedeutung: Respekt, Rücksichtnahme und das Teilen sollen bei der Zeremonie die wichtigsten Gesten echter Gastfreundschaft symbolisieren.

Teekultur in der Türkei

Dienstag, den 30. September 2008

Blick über den Tassenrand – in unserer Serie „Teekultour“ stellen wir euch Teezeremonien und -geschichten rund um den Globus vor. Dies mal haben wir den Türken in den Semaver geschaut, in dem der türkische Çhay (gesprochen tschai) zubereitet wird.

Teekultour Teil2: Türkei

Türkei

 

Der Geschichte nach, hat der Tee durch Händler über die Seidenstraße seinen Einzug in der Türkei gehalten. Dort versuchte man 1888 dann erstmal selber Tee in der damaligen Hauptstadt Bursa anzubauen. Allerding nur mit einmaligem Erfolg, da der Tee keine Früchte trug. Erst eine Expedition in das benachbarte Georgien brachte die Lösung: Dort baute Russland überaus erfolgreich Tee an - in einem Klima, das der türkischen Schwarzmeerküste ähnelte. Nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches und dem Türkischen Befreiungskrieg 1924 wurde schließlich ein Gesetz zum Anbau von Tee erlassen, das den Grundstock für den Teeanbau in Rize legte.


Doppelt hält besser.

Heute ist schwarzer Tee das Nationalgetränk der Türken, und wird rund um die Uhr zu jeder Tages- und Mahlzeit serviert. Die Zubereitung des türkischen Tees erfolgt nach dem Samowar-Prinzip, also in zwei Kannen - Semaver genannt. In die kleinere Kanne kommt der türkische Tee - ein Löffel pro Glas und einer für die Kanne – der anschließend mit lauwarmen Wasser abgespült wird. Die größere Kanne wird mit Wasser aufgefüllt und erst dann stellt man beide Kannen aufeinander. Nun erhitzt die untere Kanne bei mittlerer Hitze bis das Wasser kocht. Nach 15 bis 20 Minuten ist der Tee durchgezogen und kann aus der oberen Kann in die Gläser geschenkt werden. Dazu wird ein Sieb verwendet, so dass der Teesatz nicht mit in die Gläser gelangt. Für alle, die das ganze einmal live und in Farbe sehen wollen – wir haben ein schönes YouTube-Video zur Zubereitung des türkischen Çhay gefunden.

No milk today…

Und wer sich fragt, warum im türkischen Küchenschrank keine Teetassen zu finden sind: Durch die kleinen, tulpenförmigen Teegläser kommt das Aroma optimal zur Geltung und der Tee bleibt länger warm. Zwei Zuckerwürfel oder -löffel dazu, und das Glas reicht für gut fünf Aufgüsse. Milch ist hingegen verpönt, da sie den Geschmack des Tees „verfälscht“. Beliebte Beilagen zum Çhay: frischer Trockenkuchen, Gebäck oder gefüllter Blätterteig mit Schafskäse, Hackfleisch oder Ähnlichem. Andi