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„Unser Leben auf den Plantagen war wie ein Märchen.”

Donnerstag, den 26. März 2009

Auf einer indischen Teeplantage aufzuwachsen, stellen sich die meisten von uns wohl wie ein einziges exotisches Abenteuer – zu Recht. Denn zu Uday Shahs Kindheit in Darjeeling und Assam gehörten weiße Villen, Angestellte, Mangobäume und duftende Teelager in der Tat dazu. Nachdem ich den E-Commerceler vor einiger Zeit per Zufall über Xing kennen gelernt habe, hat er sich jetzt spontan zu einem Blog-Interview bereit erklärt und mit uns über sein außergewöhnliches Leben, Lieblingstees, Cricket und die Arbeitsbedingungen auf vielen Plantagen gesprochen.

Teeplantage

Dieses Bild wurde unter der Creative Commons Licence von Ankur P veröffentlicht

Andi: Uday, du hast Deine Kindheit auf Teeplantagen verbracht. Wie und warum hast du dort gelebt?

Uday: Meine Eltern waren in Plantagen in Darjeeling und Assam. Ich und mein Bruder gingen derweil in ein englischsprachiges Internat in Kalkutta und haben unsere Ferien auf den Plantagen verbracht. Da mein Vater Estate Manager bei Liptons war, wurde er oft zu den verschiedenen Estates versetzt, und die Eltern fanden es sinnvoll, dass wir die Schule nicht so oft wechseln sollten. Die Tea Estates waren meistens in abgelegenen Gebieten und waren wie kleinen britischen Enklaven. Dort gab es echt alles, was das Herz begehrte: Ein Clubhouse, Golfplätze, Swimming Pool, große Christmas Partys mit Geschenken für alle Kinder. Wir haben in riesigen Kolonialstil Bungalows mit Angestellten gelebt.

Andi: Wow, und was für Angestellte hattet Ihr?

Uday: Bei uns zu Hause gab es ein Koch, ein Kindermädchen, zwei Diener, Putzmänner, Gärtner und zwei Chauffeure. Jeder hatte eine Uniform je nach Aufgabengebiet. Alles wurde von der Firma bezahlt und zählte zu den Perks.

Andi: Ich selbst bin in einer Reihenhaussiedlung als Sohn eines Beamten im Ruhrgebiet aufgewachsen. Dagegen stell ich mir deine Kindheit wie einen einzigen romantischen Roman vor…

Uday:
Damals war das für mich alles genauso normal, so wie es für Dich in der Reihenhaussiedlung war. Wenn ich heute zurückblicke, kann ich allerdings kaum glauben, was wir damals für ein Leben auf den Plantagen geführt haben. Es ist wie ein Märchen. Meine Eltern denken aber oft und gerne daran zurück.

Andi: Wahrscheinlich hat sich bei dir zu Hause das ganze Leben um Tee gedreht. Hättest du manchmal gerne mit anderen Kids getauscht?

Uday: Nein, eigentlich war es gar nicht so extrem. Mein Vater hat zu Hause seinen Job Job sein lassen. Manchmal wurde er aber auch nachts aus dem Bett geholt, wenn es in der Teeproduktion irgendwelche Notfälle gab. Ansonsten war das Clubhouse jeden Abend ein Treffpunkt für Angestellte ab einem bestimmten Rang. Es gab Live-Musik, Partys und oft Skandale wegen Fremdgehen. Das normale Leben halt ; )…

Andi: Und wie hast du deine Freizeit verbracht?

Uday: Ich habe viel Cricket gespielt und war in der Schulmannschaft als batsman. Rugby war auch mein Sport, außerdem habe ich viel gelesen. Polo habe ich allerdings nie gelernt.

Andi: Durftest du damals eigentlich Kontakt zu den Kindern der Teepflücker haben?

Uday:
Nein, wir durften nicht mit ihnen spielen, obwohl wir es manchmal heimlich doch getan haben. Dann sind wir gemeinsam an Mangobäumen hochgeklettert, um die Früchte zu pflücken. Oder haben uns einfache Spiele mit Murmeln, Kreiseln, Bällen, Stöcken und Altreifen ausgedacht. Heute ist dieses Klassendenken leider immer noch so, was ich persönlich sehr schade finde.

Andi: Gibt es für dich etwas, das du für immer mit dem Leben auf den Plantagen verbinden wirst?

Uday: Ja, wir haben immer im Garten gefrühstückt und zu Mittag gegessen und es uns einfach als Familie gut gehen lassen. Außerdem war Weihnachten sehr spannend. Es kam ein echter Santa Claus ins Clubhouse mit unseren Geschenken. Es wurden dann Namen von jedem Kind aufgerufen und das Geschenk überreicht – und immer das, was man sich gewünscht hatte. Eine wirklich tolle Logistikleistung des Weihnachtsmanns ;-)!

Andi:
Leider ist das nur die eine Seite des Plantagen-Lebens. Der Deutsche Teeverband hat über die Arbeitsbedingungen der Teepflücker gemeldet, dass diese nach wie vor sehr hart seien. Aber gemessen am Durchschnittseinkommen würden die Menschen gut bezahlt und seien gewerkschaftlich organisiert. Was sind Deine Erfahrungen?

Uday: Natürlich sind diese Informationen geschönt. Es gibt gute Vorzeige-Plantagen, aber auch ganz andere Estates mit schlechteren Arbeitsbedingungen. Wenn die Waren einmal bei den Auktionen sind und von den großen Konzernen gemischt wurden (blends), weiß auch keiner mehr, wo der Tee herkam. Fakt ist, dass die Importeure immer noch am meisten daran verdienen – Fair Trade hin oder her. Aber es hat sich vieles im Sinne der Pflücker auch sehr verbessert. Das National Tea Board ist allerdings lediglich ein staatliches Kontrollorgan. Auch hier sind Bestechungen an der Tagesordnung, sonst wären Discounter-Preise einfach nicht möglich.

Andi: Kommen wir zurück zu dir. Was ist denn Dein Lieblingstee?

Uday: Oh, da gibt es mehrere. Am liebsten trinke ich mehrmals am Tag indischen Chai. Oder schwarzen Tee mit gestoßenem Kardamom aufgekocht, dann mit Milch und Zucker verfeinert. Manchmal kommt mir aber auch gerne schwarzer Tee mit Zitronensaft, Zucker und eine Prise Salz in die Tasse.

Andi:
Bei den Briten ist ja die Frage, ob erst der Tee oder die Milch in die Tasse kommt, ein zentrales Streitthema. Zu welchem Lager zählst du – Tif (Tea-in-first) oder Mif (Milk-in-first)?

Uday:
Also ich gehöre eindeutig zu der Tif-Abteilung.

Andi: Und wo ich schon mal einen echten Plantagen-Kenner da habe – hast du einen Insider-Tipp in Sachen Tee für uns?

Uday: Probiert mal den Tee von Gayabari Tea Estates in der nähe von Darjeeling (bei Kurseong). Es gehört einem guten Freund von mir, und er baut einen echten Organic Tea an. Er hat diese Gardens von den Eltern geerbt, 8 Jahre stillgelegt und andere Sachen angebaut, um den Boden von Pestiziden etc. zu bereinigen. Jetzt ist der First Flush wirklich ein Hochgenuss!

Andi: Insgesamt hört sich deine Zeit in Indien nach einem sehr glücklichen Leben an. Was hat Dich nach Deutschland verschlagen?

Uday: Ich kam nach Deutschland zum Studieren. Ich wollte nicht nach Großbritannien oder in die USA wie die anderen, und bin echt froh drum. Außerdem ging es mir wie vielen im Leben: Kaum am anderen Ende der Welt, schon habe ich eine Frau hier kennen gelernt und bin hängen geblieben.

Andi: Du betreibst jetzt unter anderem einen Online-Shop für Lederwaren (www.lederwaren.com). Was fasziniert Dich an diesem Produkt?

Uday: Ich bin während meiner Studienzeit in Deutschland zufällig in diese Branche reingerutscht. Alle Produkte in meinem Shop designe ich selbst und lasse sie in verschiedenen Ländern produzieren, hauptsächlich in Argentinien, wegen der hohen Qualität des Leders. Ich liebe das Material und die Gestaltungsmöglichkeiten. Jede Kollektion ist eine neue Herausforderung. Alles fließt und entwickelt sich weiter, das ist toll! Und ich bin mein eigener Chef, so wie du.

Andi: Ich wünsch dir auf jeden Fall weiterhin viel Erfolg und vielen Dank für das Interview!

Anmerkung der Redaktion: Uday wird versuchen, noch ein paar alte Bilder aus seiner Schulzeit zu finden, die wir dann an dieser Stelle zeigen können.

Chinesische Teekultur

Donnerstag, den 26. Februar 2009

Chinesische Teekultur

China

 

Nachdem wir auf unserer letzten Teekultour Japan vorgestellt haben, gehen wir dieses Mal noch einen Schritt zurück und stellen euch die älteste Teekultur der Welt vor: die chinesische. Bereits seit über 2000 Jahren prägt sie die Generationen – und wurde schließlich von Japan übernommen und verfeinert.

Doch die Geschichte des Landes ging an der Tradition des Teetrinkens nicht spurlos vorüber: Nach der massiven Unterdrückung der öffentlichen Teekultur während der Kulturrevolution und der Schließung vieler Teehäuser ist sie heute nur noch im Süden und Westen Chinas und auf Taiwan wirklich verbreitet. Das Teetrinken hat sich jedoch bis heute unverändert in den Familien erhalten, wobei die meisten Chinesen ausschließlich ungesüßten grünen Tee trinken.

Die drei Schulen der Teekunst

China ist das Mutterland des Teeanbaus und erhob bereits im Jahr 221 v. Chr. eine Teesteuer. Zwar wurde die chinesische Teezeremonie nie so stark verfeinert wie in Japan, dafür ist sie stärker in der gesamten Bevölkerung verwurzelt. Unterschieden werden drei historische Schulen der Teekunst: In der Tang-Phase wurde der Tee zusammen mit dem Wasser aufgekocht, bis das Wasser die richtige Färbung annahm. Da diesem Tee eine Prise Salz zugefügt wurde, heißt diese Methode auch „Schule des gesalzenen Pulvertees“. Während der Song-Dynastie wurde die Teekunst verfeinert, das Teepulver nun mit heißem Wasser aufgegossen und mit einem Bambusbesen schaumig geschlagen – daraus entstand die „Schule der geschäumten Jade“. Die Kunst der Teemeister bestand darin, dass der Schaum so lange wie möglich erhalten blieb. In der Ming-Phase wurden dann ganze Teeblätter (Oolong-Tee) verwendet und die Zeremonie Gong Fu Cha oder Kung Fu Cha entstand. Sie heißt auch die „Schule des duftenden Blattes“.

Die „Schule des duftenden Blattes“

Für die heutige Teezeremonie Gong Fu Cha reinigt der Teemeister zunächst die Teeschalen und die Kanne mit heißem Wasser. Dann werden die Teeblätter in die Kanne gegeben und mit heißem Wasser übergossen. Dieser erste Aufguss öffnet die Blätter und mildert die Bitterkeit der späteren Aufgüsse – er wird sofort in die Schälchen abgegossen und nicht getrunken. Er heißt „Aufguss des guten Geruchs”. Der Meister füllt das Kännchen ein zweites mal mit Wasser, lässt den Tee etwa 10 bis 30 Sekunden ziehen und gießt den Aufguss dann schichtweise in die Teeschalen. So erhält jeder Gast die gleiche Aufgussqualität. Daher der Name „Aufguss des guten Geschmacks”. Diese Aufgüsse werden mit demselben Tee mehrfach wiederholt, bei sehr guter Teequalität bis zu 15 Mal. Dabei lässt man den Tee jeweils zehn Sekunden länger ziehen als zuvor. Jeder Aufguss schmeckt anders. Da die Teeblätter dabei unmittelbar nach einem Aufguss nicht weiter wirken sollen, wird der Tee meistens in eine zweite Kanne gegossen und aus dieser eingeschenkt. In einer verfeinerten Variante wird er sogar zunächst in Duftbecher gegossen und von diesen in die Trinkschalen.

Doch auch wer kein Teemeister ist – in China serviert jeder seinen Gästen Tee als Zeichen der Wertschätzung. Diese Geste existiert bis heute auch noch innerhalb der Familien. Die jüngere Generation bietet der älteren Tee an, um ihre Ehrerbietung zu zeigen. Die Fähigkeit, guten Tee zuzubereiten, war früher auch ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl künftiger Schwiegertöchter.

Japanische Teekultur

Sonntag, den 23. November 2008

Teekultour Teil3: Japan

Japan

 

Blick über den Tassenrand – in unserer Serie „Teekultour“ stellen wir euch Teezeremonien und -geschichten rund um den Globus vor. Dieses Mal geht es in das Land mit der wohl faszinierendsten Teezeremonie: Japan.

Auch als „Teeweg“ oder „Teeritual“ bekannt, werden die Gäste auf ihrem „Weg“ von der Ankunft im Garten des Einladenden bis zum Verlassen des Teehauses begleitet - eine Zeremonie, die mehrere Stunden dauern kann! Die traditionelle Teezeremonie folgt einer Reihe festgelegter Regeln, in deren Rahmen die Gäste leichte Speisen und Grünen Tee gereicht bekommen. Um dem Gast dabei die Möglichkeit zur „inneren Einkehr“ zu bieten, sind japanische Teehäuser bewusst schlicht eingerichteten.

Auf Einladung des Gastgebers finden sich die Gäste im Garten des Teehauses ein. Dort nehmen sie zunächst im Warteraum (Machiai), oft ein offener Pavillon, Platz und werden vom Gastgeber mit einem leichten Tee begrüßt. Während sich die Gäste im Machiai platzieren und die vom Teemeister sorgfältig ausgesuchten Teeschalen, Geräte und Kunstgegenstände betrachten, füllt der Hausherr frisches Wasser in ein steinernes Wasserbassin und legt eine Schöpfkelle bereit. Anschließend wäscht er sich Mund und Hände und bittet seine Gäste, es ihm gleich zu tun – eine rituelle Geste der Reinigung. Erst danach wird das Teehaus betreten. Der Weg vom Garten bis in das Teehaus symbolisiert „die erste Stufe der Erleuchtung“ – der Alltag wird abgestreift, ebenso wie alle gesellschaftlichen Unterschiede. In mehreren Gängen werden jetzt leichte Speisen, Suppen und Reiswein (Sake) gereicht. Danach gehen die Gäste noch einmal zurück in den Warteraum, bis sie nach fünfmaligem Ertönen eines Gongs in den Teeraum gebeten werden. Sobald alle eingetreten sind, schließt der letzte Gast die Tür mit einem leichten Geräusch, dies ist das Zeichen für den Teemeister bzw. den Gastgeber, mit seinen Vorbereitungen zu beginnen. Dazu benötigt er Teeschalen, eine Teedose für den Pulvertee, ein Frischwassergefäß, einen Wasserkessel, einen Bambuslöffel und einen Teebesen zum Aufschäumen des Matcha-Tees. An seinem Gürtel, dem „Obi“, trägt der Teemeister ein seidenes Teetuch, das „Fukusa“ genannt wird.
Teezeremonie

Fotoquelle: wikipedia.org. Das Foto wurde unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation veröffentlicht.

Nun beginnt die eigentliche Teezeremonie, die ebenfalls genauen Regeln darüber folgt, wie die einzelnen Utensilien zu platzieren sind, welche Handgriffe getätigt werden und wie der Tee zuzubereiten ist. Den Anfang macht der aus feinstem grünen Teepuder hergestellten Matcha-Tee, den in einer Teeschale mit Hilfe des Teebesens und nach Aufgießen mit heißem Wasser schaumig geschlagen wird. Der erste, dickflüssige Aufguss wird in der Teeschale herumgereicht, jeder Gast nimmt einige Schlucke. Während dieses Rituals herrscht meistens Schweigen, das anschließend gebrochen wird, um sich über die verwendete Teesorte und deren typischerweise poetischen Namen zu erkundigen, sowie die verwendeten Utensilien zu bestaunen. Ein weiterer, dünnerer Aufguss des pulverisierten Grünen Tees wird in Portionsschalen gereicht.

Jedes Detail der japanischen Teezeremonie hat eine besondere Bedeutung: Respekt, Rücksichtnahme und das Teilen sollen bei der Zeremonie die wichtigsten Gesten echter Gastfreundschaft symbolisieren.

Teekultur in der Türkei

Dienstag, den 30. September 2008

Blick über den Tassenrand – in unserer Serie „Teekultour“ stellen wir euch Teezeremonien und -geschichten rund um den Globus vor. Dies mal haben wir den Türken in den Semaver geschaut, in dem der türkische Çhay (gesprochen tschai) zubereitet wird.

Teekultour Teil2: Türkei

Türkei

 

Der Geschichte nach, hat der Tee durch Händler über die Seidenstraße seinen Einzug in der Türkei gehalten. Dort versuchte man 1888 dann erstmal selber Tee in der damaligen Hauptstadt Bursa anzubauen. Allerding nur mit einmaligem Erfolg, da der Tee keine Früchte trug. Erst eine Expedition in das benachbarte Georgien brachte die Lösung: Dort baute Russland überaus erfolgreich Tee an - in einem Klima, das der türkischen Schwarzmeerküste ähnelte. Nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reiches und dem Türkischen Befreiungskrieg 1924 wurde schließlich ein Gesetz zum Anbau von Tee erlassen, das den Grundstock für den Teeanbau in Rize legte.


Doppelt hält besser.

Heute ist schwarzer Tee das Nationalgetränk der Türken, und wird rund um die Uhr zu jeder Tages- und Mahlzeit serviert. Die Zubereitung des türkischen Tees erfolgt nach dem Samowar-Prinzip, also in zwei Kannen - Semaver genannt. In die kleinere Kanne kommt der türkische Tee - ein Löffel pro Glas und einer für die Kanne – der anschließend mit lauwarmen Wasser abgespült wird. Die größere Kanne wird mit Wasser aufgefüllt und erst dann stellt man beide Kannen aufeinander. Nun erhitzt die untere Kanne bei mittlerer Hitze bis das Wasser kocht. Nach 15 bis 20 Minuten ist der Tee durchgezogen und kann aus der oberen Kann in die Gläser geschenkt werden. Dazu wird ein Sieb verwendet, so dass der Teesatz nicht mit in die Gläser gelangt. Für alle, die das ganze einmal live und in Farbe sehen wollen – wir haben ein schönes YouTube-Video zur Zubereitung des türkischen Çhay gefunden.

No milk today…

Und wer sich fragt, warum im türkischen Küchenschrank keine Teetassen zu finden sind: Durch die kleinen, tulpenförmigen Teegläser kommt das Aroma optimal zur Geltung und der Tee bleibt länger warm. Zwei Zuckerwürfel oder -löffel dazu, und das Glas reicht für gut fünf Aufgüsse. Milch ist hingegen verpönt, da sie den Geschmack des Tees „verfälscht“. Beliebte Beilagen zum Çhay: frischer Trockenkuchen, Gebäck oder gefüllter Blätterteig mit Schafskäse, Hackfleisch oder Ähnlichem. Andi

 

Britische Teekultur

Montag, den 25. August 2008

Seit gut 1,5 Monaten mischen wir nun emsig eure Tee-Ideen zusammen – und sind so auch selber in den Genuss vielen neuer Tipps gekommen. Denn bei besonders kuriosen oder einfach schön aussehenden Mixes mischen wir uns regelmäßig eine Tasse mit. Aber wie halten es eigentlich andere – besonders Nationen, die schon seit Jahrhunderten das Teetrinken zelebrierten? Zeit für einen Blick über den Tassenrand: Ab sofort starten wir deshalb unsere allmyTea-Serie „Teekultour“, in der wir euch über Teezeremonien und -geschichten rund um den Globus auf dem Laufenden halten. Viel Spaß!

Teekultour, Teil 1: England

England

Für uns ist Großbritannien das Teetrinker-Land schlechthin. Und tatsächlich entstand die englische Teekultur bereits im 17. Jahrhundert. Nach China und Irland belegt England Platz 3 der Teeländer, mit täglich über 170 Millionen Tassen.

Das Teetrinken gehört fest zur britischen Lebensart, und vor allem der Nachmittagstee wird seit Anfang des 19. Jahrhunderts regelrecht zelebriert. Dabei ist der Begriff „Teatime“ eher unbritisch, denn Tee wird hier zu jeder Tageszeit getrunken. Zeit für den Afternoon Tea ist aber gegen 16 oder 17 Uhr. Dieser entspricht einer kompletten Zwischemahlzeit - wie in Deutschland der Nachmittagskaffee. Die Zubereitung ähnelt der ostfriesischen. Briten trinken fast ausschließlich schwarzen Tee, vorzugsweise unaromatisiert. Die Teeblätter kommen lose in die Kanne und werden mit kochendem Wasser aufgegossen. Dort bleiben sie, so dass der Tee mit der Zeit immer stärker wird. Deshalb trinken viele Engländer ihren Tee mit heißem Wasser oder Milch. Ob zuerst der Tee eingegossen wird oder die Milch, ist eine Streitfrage zwischen den Anhängern des Prinzips Milk-in-first (Mif) und Tea-in-first (Tif).

Englischer Tee-Knigge:

  • Bei einer Einladung zum Tee schenken sich die Gäste niemals selbst ein. Dasselbe gilt für Zucker, Milch oder Zitrone.
  • Beim Umrühren sind klirrende Geräusche zu vermeiden.
  • Der Henkel wird nur mit Daumen und Zeigefinger gehalten.
  • Die Tasse wird mitsamt der Untertasse bis etwa in Kinnhöhe angehoben.
  • Der Tee wird in kleinen Schlucken getrunken und nie geräuschvoll geschlürft.
  • Während des Tees wird nicht geraucht, da der Rauch das Aroma beeinträchtigt.

Soweit eine kurze Zusammenfassung des englischen Teelebens. Wie es Türken, Japaner und andere halten, beschreiben wir euch in den nächsten Ausgaben. Aber damit wir nicht zu kompletten Fach-Chinesen werden – hier noch ein paar Infos zu England, die eigentlich kein Mensch wissen muss ;-):

  • In England sind in den letzten zehn Jahren acht Wanderer von Kühen totgetrampelt worden.
  • In England lebten im Jahr 2003 nur noch 15 professionelle Bauchredner.
  • In England werden jedes Jahr 5300 Unfälle durch Blumentöpfe verursacht. Die Töpfe sind nach Rasenmähern der zweitgefährlichste Gartenartikel. Außerdem werden doppelt so viele Unfälle durch Hosen wie durch Kettensägen verursacht.
  • Auf britischen Münzen schauen aufeinander folgende Monarchen in unterschiedliche Richtungen.