Chinesische Teekultur

China
Nachdem wir auf unserer letzten Teekultour Japan vorgestellt haben, gehen wir dieses Mal noch einen Schritt zurück und stellen euch die älteste Teekultur der Welt vor: die chinesische. Bereits seit über 2000 Jahren prägt sie die Generationen – und wurde schließlich von Japan übernommen und verfeinert.
Doch die Geschichte des Landes ging an der Tradition des Teetrinkens nicht spurlos vorüber: Nach der massiven Unterdrückung der öffentlichen Teekultur während der Kulturrevolution und der Schließung vieler Teehäuser ist sie heute nur noch im Süden und Westen Chinas und auf Taiwan wirklich verbreitet. Das Teetrinken hat sich jedoch bis heute unverändert in den Familien erhalten, wobei die meisten Chinesen ausschließlich ungesüßten grünen Tee trinken.
Die drei Schulen der Teekunst
China ist das Mutterland des Teeanbaus und erhob bereits im Jahr 221 v. Chr. eine Teesteuer. Zwar wurde die chinesische Teezeremonie nie so stark verfeinert wie in Japan, dafür ist sie stärker in der gesamten Bevölkerung verwurzelt. Unterschieden werden drei historische Schulen der Teekunst: In der Tang-Phase wurde der Tee zusammen mit dem Wasser aufgekocht, bis das Wasser die richtige Färbung annahm. Da diesem Tee eine Prise Salz zugefügt wurde, heißt diese Methode auch „Schule des gesalzenen Pulvertees“. Während der Song-Dynastie wurde die Teekunst verfeinert, das Teepulver nun mit heißem Wasser aufgegossen und mit einem Bambusbesen schaumig geschlagen – daraus entstand die „Schule der geschäumten Jade“. Die Kunst der Teemeister bestand darin, dass der Schaum so lange wie möglich erhalten blieb. In der Ming-Phase wurden dann ganze Teeblätter (Oolong-Tee) verwendet und die Zeremonie Gong Fu Cha oder Kung Fu Cha entstand. Sie heißt auch die „Schule des duftenden Blattes“.
Die „Schule des duftenden Blattes“
Für die heutige Teezeremonie Gong Fu Cha reinigt der Teemeister zunächst die Teeschalen und die Kanne mit heißem Wasser. Dann werden die Teeblätter in die Kanne gegeben und mit heißem Wasser übergossen. Dieser erste Aufguss öffnet die Blätter und mildert die Bitterkeit der späteren Aufgüsse – er wird sofort in die Schälchen abgegossen und nicht getrunken. Er heißt „Aufguss des guten Geruchs”. Der Meister füllt das Kännchen ein zweites mal mit Wasser, lässt den Tee etwa 10 bis 30 Sekunden ziehen und gießt den Aufguss dann schichtweise in die Teeschalen. So erhält jeder Gast die gleiche Aufgussqualität. Daher der Name „Aufguss des guten Geschmacks”. Diese Aufgüsse werden mit demselben Tee mehrfach wiederholt, bei sehr guter Teequalität bis zu 15 Mal. Dabei lässt man den Tee jeweils zehn Sekunden länger ziehen als zuvor. Jeder Aufguss schmeckt anders. Da die Teeblätter dabei unmittelbar nach einem Aufguss nicht weiter wirken sollen, wird der Tee meistens in eine zweite Kanne gegossen und aus dieser eingeschenkt. In einer verfeinerten Variante wird er sogar zunächst in Duftbecher gegossen und von diesen in die Trinkschalen.
Doch auch wer kein Teemeister ist – in China serviert jeder seinen Gästen Tee als Zeichen der Wertschätzung. Diese Geste existiert bis heute auch noch innerhalb der Familien. Die jüngere Generation bietet der älteren Tee an, um ihre Ehrerbietung zu zeigen. Die Fähigkeit, guten Tee zuzubereiten, war früher auch ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl künftiger Schwiegertöchter.